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Mars Chroniken
Dein wöchentlicher Funkspruch aus dem All · Lesezeit rund 4 Minuten
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Hallo Raumfahrt-Fan,
willkommen zu deinem Mars Chroniken Newsletter. Diese Woche schlägt zweimal etwas ein. Am Mittwochmorgen trifft eine ausgediente Raketenstufe den Mond, am Montag hat es einen Satellitenkonzern erwischt, der jahrzehntelang unangreifbar wirkte. Zwei Einschläge, eine Ursache: Die neue Raumfahrt ist schneller als die Regeln und die Geschäftsmodelle, die für die alte gebaut wurden. |
Um 8:35 Uhr trifft eine Falcon-9-Oberstufe den Mond
Am 5. August, morgens um 8:35 Uhr unserer Zeit, endet eine Mondmission, die vor anderthalb Jahren als erledigt abgehakt wurde. Am 15. Januar 2025 brachte eine Falcon 9 zwei private Mondlander auf den Weg, den amerikanischen Blue Ghost und den japanischen Resilience. Der eine landete und arbeitete zwei Wochen lang, der andere zerschellte, wir haben damals darüber geschrieben. Was niemand mehr auf dem Schirm hatte, war die Oberstufe. Sie treibt seither durch das Erde-Mond-System und trifft nun nahe dem Krater Einstein auf, am westlichen Rand der Mondscheibe.
Knapp fünf Tonnen, 2,43 Kilometer pro Sekunde, das sind rund 8.700 Kilometer pro Stunde. Frei werden dabei etwa 14,5 Milliarden Joule, die Energie von rund drei Tonnen TNT; der Krater dürfte 20 bis 30 Meter messen. Berechnet hat die Bahn Bill Gray, dessen Software solche Objekte seit Jahrzehnten verfolgt. Zu sehen bekommen wir nichts, der Einschlagspunkt liegt knapp hinter dem westlichen Mondrand. Die NASA-Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter fotografiert die Stelle vorher und nachher, die südkoreanische Sonde Danuri versucht es ebenfalls. Ganz neu ist so ein Treffer übrigens nicht, früher war er sogar Absicht: Die Apollo-Missionen ließen ihre ausgebrannten Oberstufen gezielt auf dem Mond aufschlagen, damit die zurückgelassenen Seismometer aus der Erschütterung auf den inneren Aufbau des Mondes schließen konnten. 2022 schlug dann wieder eine Stufe ein, die Gray zuerst für eine Falcon 9 hielt und die sich später als chinesische Long March 3C entpuppte. Diesmal ist es wirklich eine Falcon 9.
Warum räumt das niemand weg? Weil es nicht geht, sagt SpaceX. Julianna Scheiman, dort zuständig für die NASA-Wissenschafts- und Dragon-Programme, führt den Kurs auf Sonnenaktivität und Schwerkraft zurück: Anders als in der niedrigen Erdumlaufbahn lasse sich eine Stufe auf einer so hochenergetischen Bahn nicht sicher zum Absturz bringen. Man arbeite mit der NASA an einem besseren Entsorgungsweg. Wie der aussieht, sagt bislang niemand. Unsere Einschätzung: Für die Erdumlaufbahn gibt es Vorschriften, für den Raum dahinter gibt es Berechnungen von Freiwilligen. Wie ernst die Sache genommen wird, zeigt die einzige Geldstrafe für Weltraumschrott, die je eine US-Behörde verhängt hat: 150.000 US-Dollar, im Jahr 2023, für einen ausgedienten Fernsehsatelliten, den sein Betreiber nur 122 statt der vorgeschriebenen 300 Kilometer über die Arbeitsbahn geschoben hatte. Der Betreiber hieß Dish und gehört zu EchoStar. Um dieses Haus geht es gleich weiter.
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Hughes ist pleite, und der Grund zieht über uns hinweg
Am Montag hat Hughes Satellite Systems vor einem Insolvenzgericht in Texas Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Der Konzern hinter HughesNet konnte Anleihen über rund 1,5 Milliarden US-Dollar nicht bedienen, die Anfang August fällig wurden. Chapter 11 ist keine Abwicklung, sondern ein Sanierungsverfahren: Der Betrieb läuft weiter, die Schulden werden neu geordnet. Für die rund 641.000 Haushalte mit einem Vertrag dort ändert sich vorerst nichts. Für die Branche ändert sich einiges.
Die Zahlen sind eindeutig. Binnen eines Jahres hat HughesNet gut 22 Prozent seiner Kunden verloren, seit Mitte 2020 mehr als die Hälfte, damals waren es über 1,5 Millionen. Ende Juli kündigte das Unternehmen rund 400 Beschäftigten, am 28. Juli trat der Betriebschef zurück. Robert Del Genio, als Chief Restructuring Officer für die Sanierung zuständig, benennt die Ursache unverblümt: Die Konstellationen in der niedrigen Erdumlaufbahn seien gewachsen, hätten die Preise gedrückt und seien direkt in jene Märkte eingedrungen, die man historisch bedient habe. Eine Trendwende erwarte man nicht.
Künftig will Hughes von Geschäftskunden, Behörden und Verteidigung leben, dort liegen Aufträge über rund 1,5 Milliarden US-Dollar in den Büchern. Es ist die dritte Insolvenz im Reich von EchoStar in diesem Jahr, zuvor traf es das Satellitenfernsehen und das Mobilfunknetz. Vor drei Wochen schrieben wir an dieser Stelle, dass Rocket Lab für rund 8 Milliarden US-Dollar lieber den Satellitenfunker Iridium kauft, als eine eigene Flotte aufzubauen. Diese Woche liefert Hughes die Begründung nach. Unsere Einschätzung: Der geostationäre Orbit stirbt nicht, dort oben werden weiter Rundfunk, Wetterdaten und Behördenfunk verdient. Das Endkundengeschäft aus 36.000 Kilometern Höhe aber ist erledigt.
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Kurz notiert
Ein Asteroid mit drei Köpfen. Der Hauptgürtel-Asteroid (44) Nysa besteht offenbar aus drei Klumpen, die aneinanderhängen. Aufnahmen des Large Binocular Telescope in Arizona und des Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile zeigen zwei Furchen, die einmal um den 75 Kilometer großen Körper laufen, vermutlich die Nahtstellen. Nebenbei fand das Team um Kate Minker vom Lowell Observatory noch einen Mond von rund einem Kilometer Durchmesser, vorläufig S/2026 (44) 1 getauft. Ein dreilappiger Körper wäre der erste bekannte überhaupt, der Fachaufsatz liegt bislang als Vorabdruck vor.
Und dann wird es dunkel. Am 12. August schiebt sich der Mond vor die Sonne. In Deutschland bleibt es partiell, aber außergewöhnlich tief: 85 bis 90 Prozent der Sonnenscheibe sind verdeckt, am meisten im Südwesten. Los geht es je nach Standort kurz nach 19 Uhr, das Maximum liegt gegen 20:15 Uhr, dann steht die Sonne als schmale Sichel knapp über dem Horizont im Westnordwesten. Für die Totalität muss man nach Island oder Nordspanien, dort dauert sie knapp zwei Minuten. In derselben Nacht haben die Perseiden ihr Maximum. Und weil es sonst wehtut: niemals ohne zertifizierte Sonnenfinsternisbrille in die Sonne schauen.
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Unser neuestes Video: Das erste Starship, das nicht explodiert ist
Flug 13 hat etwas geschafft, das in dreizehn Anläufen noch nie gelang: Das Schiff kam heil unten an und hörte nicht einmal auf zu senden. Dazu die ersten echten Starlink-V3-Satelliten im All und eine Wiederzündung des Raptor-Triebwerks, die man in Südafrika vom Boden aus sehen konnte. In der Analyse gehen wir durch, was funktioniert hat und wo es weiter klemmt.
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Sneak Peek: Was als Nächstes kommt
5. August: Starship, die ganze Geschichte. Alle Testflüge des Programms in einem Stück.
9. August: Raptor 3. Das Triebwerk, an dem der gesamte Starship-Zeitplan hängt.
12. August: Mynaric. Eine deutsche Firma, die im Netz der US Space Force eine erstaunlich große Rolle spielt.
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Transparenz: Der Autor hält Aktien von SpaceX und Rocket Lab.
Per aspera ad astra
Dein Sirwan
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