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Mars Chroniken
Dein wöchentlicher Funkspruch aus dem All · Lesezeit rund 4 Minuten
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Hallo Raumfahrt-Fan,
diese Woche ist Europa zweimal angekommen. Eine Rakete aus Bayern hat am Samstag als erste privat finanzierte europäische Rakete den Orbit erreicht, im zweiten Anlauf und nach einem Jahr voller Abbrüche. Und eine europäische Sonde steht nach acht Jahren Reise vor dem Merkur, hat ihren Motor abgeworfen und muss das Schwierigste jetzt allein schaffen. |
Zweiter Versuch, erster Orbit: Europas Privatrakete ist oben
Am Samstag um 22:12 Uhr hob im norwegischen Andøya die zweite Spectrum von Isar Aerospace ab, und diesmal blieb sie nicht bei 30 Sekunden stehen. Max-Q, Brennschluss der ersten Stufe, Stufentrennung, Zündung der zweiten Stufe, Abwurf der Verkleidung, Orbitalgeschwindigkeit, Zirkularisierung, Aussetzen: Die Rakete aus dem Münchner Umland hat die komplette Liste abgearbeitet und ihre Nutzlasten in einer sonnensynchronen Umlaufbahn abgesetzt. Der Livestream riss nach 18 Minuten ab, die Bestätigung kam erst am Sonntagmittag. Es ist der erste Orbitalflug einer privat finanzierten europäischen Rakete, die ESA nennt es den ersten Orbitalstart vom europäischen Festland. Firmenchef Daniel Metzler: "Europa hat jetzt einen souveränen Zugang zum All."
Der Weg dahin war ein Lehrstück in Geduld. Der Erstflug am 30. März 2025 endete nach rund 30 Sekunden, weil ein Entlüftungsventil ungewollt aufging und die Lageregelung zu Beginn des Rollmanövers verloren ging. Die Untersuchung war nach zwei Monaten abgeschlossen, dann kam 2026 ein Jahr voller Abbrüche: im Januar ein Ventil im Bedrückungssystem, im März ein Boot in der Sperrzone und danach zu warmer Treibstoff, im April ein undichter Drucktank, im Juni auffällige Fluidsysteme. Im August hatten wir an dieser Stelle zwei deutsche Raketen für den Orbit angekündigt; geflogen ist jetzt eine, die RFA One steht weiter in Schottland. An Bord waren fünf Kleinsatelliten von Hochschulen und Firmen aus fünf Ländern, darunter SpaceTeamSat1 vom TU Wien Space Team und CyBEEsat der TU Berlin, dazu ein Experiment des Start-ups Dcubed, das an der Oberstufe bleibt.
Mit 28 Metern Höhe, neun Triebwerken auf Propan und Sauerstoff und bis zu einer Tonne Nutzlast ist die Spectrum ein Zwerg neben Ariane 6 oder Falcon 9. Aber sie ist da, und sie kommt mit Rückenwind: Am 27. August hat die ESA im European Launcher Challenge 543,6 Millionen Euro an Isar, RFA und PLD Space vergeben, 197,8 Millionen davon an Isar, überwiegend aus deutschem Geld. Die Raketen 3 bis 7 sind in Produktion, die neue Fabrik soll bis zu 40 Stück im Jahr schaffen, ein zweiter Startplatz entsteht in Kanada. Bundeskanzler Friedrich Merz sprach vom "Beginn einer neuen Ära". Unsere Einschätzung: Eine Tonne Nutzlast verschiebt die Kräfteverhältnisse im Orbit nicht. Sie verschiebt die Verhandlungsposition, denn zum ersten Mal kann Europa Kleinsatelliten von eigenem Boden aus starten, ohne Kourou und ohne SpaceX. Die ganze Geschichte gibt es am Mittwoch als Video.
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Die Merkur-Sonde wirft den Motor ab, der sie ein Jahr gekostet hat
Am Donnerstag um 15:52 Uhr unserer Zeit kam in Darmstadt die Bestätigung: BepiColombo hat sein Transfermodul abgeworfen, mehr als 200 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Das Modul mit vier Ionentriebwerken und großen Solarflügeln hat die europäische Sonde MPO und den japanischen Orbiter Mio seit dem Start im Oktober 2018 durch neun Vorbeiflüge geschleppt, einmal an der Erde, zweimal an der Venus, sechsmal am Merkur. Jetzt treibt es antriebslos weiter. "Ein völlig passives Modul, man kann es nicht mehr steuern", sagt ESA-Flugdynamik-Chef Frank Budnik.
Ausgerechnet dieses Modul hat die Mission fast ein Jahr gekostet. Im April 2024 flossen unerwartete Ströme zwischen seinen Solarzellen und der Stromverteilung, den Ionentriebwerken fehlte seither die Leistung für die geplante Ankunft im Dezember 2025. Die ESA rechnete eine neue Bahn mit weniger Schub, flog beim vierten Merkur-Vorbeiflug im September 2024 35 Kilometer dichter am Planeten vorbei als geplant und verschob die Ankunft auf November 2026. Am 15. Juni gingen die Ionentriebwerke zum letzten Mal aus, seither fällt die Sonde antriebslos auf den Merkur zu.
Das Schwierigste kommt erst. Am 21. November muss die MPO mit ihren chemischen Triebwerken den ganzen Verbund in eine Umlaufbahn um den Merkur bremsen, am 9. und 10. Dezember trennen sich die beiden Orbiter, die Wissenschaft beginnt im April 2027. Dort warten Temperaturen zwischen minus 180 und plus 450 Grad und rund zehnmal so viel Sonnenstrahlung wie an der Erde, Flugdirektor Ignacio Tanco spricht von einem sehr heißen Pizzaofen im Rücken. Erst eine Sonde hat den Merkur je umkreist, die NASA-Sonde MESSENGER von 2011 bis 2015. Unsere Einschätzung: Dass BepiColombo nach dem Stromproblem überhaupt ankommt, ist die eigentliche Leistung dieser Mission. Der Rest ist Physik, und die kennt am Merkur keine Gnade.
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Kurz notiert
Starlink fliegt in Florida nur noch auf Starship. Am 25. August hob in Cape Canaveral zum letzten Mal eine Falcon 9 mit Starlink-Satelliten ab, SpaceX-Startchef Kiko Dontchev nannte es auf X das Ende einer Ära: Von jetzt an fliegen Starlink-Missionen aus Florida auf Starship. Die Rakete, die übernehmen soll, hat in 13 Flügen noch nie einen Orbit erreicht. Flug 14 soll das ändern: Im Antrag an die US-Funkbehörde FCC nennt SpaceX den 15. September als geplantes Aussetzdatum für rund 20 Starlink V3 im Betriebsorbit, Booster 21 hat alle 33 Triebwerke gezündet, und die Luftfahrtbehörde FAA hat vergangene Woche die Umweltfreigabe für einen zusätzlichen Rückkehrpfad nach Starbase erteilt, ausdrücklich noch keine Startlizenz. Den Turm-Fang des Schiffs hat Elon Musk auf "in ein paar Monaten" vertagt. Wir sind zum Start wieder live dabei.
Chinas nächste Wiederverwendungs-Kandidatin fliegt. Am 1. September ist in Jiuquan die Pallas-1 des Privatunternehmens Galactic Energy zum ersten Mal gestartet und hat ohne Nutzlast ihre Zielbahn erreicht. Die 52 Meter hohe Kerosin-Rakete hebt mit rund 3.400 Kilonewton ab, das sind etwa 350 Tonnen Schub, und ihre erste Stufe ist für mehr als 20 Einsätze ausgelegt. Gelandet ist noch nichts: Gitterflossen und Landebeine kommen erst ab dem dritten Flug. Nach der Netz-Bergung der Long March 10B im Juli und der Zhuque-3-Landung im August ist das der nächste chinesische Anlauf auf das Falcon-9-Rezept.
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Neu auf dem Kanal: Das Triebwerk, das Amerika ausbremst
Das BE-4 von Blue Origin sollte das russische RD-180 ersetzen, und 2026 hält es gleich zwei amerikanische Raketen am Boden: Vulcan und New Glenn. 29 geflogene Triebwerke, kein einziger Ausfall im Aufstieg, und trotzdem steht alles still, seit beim Feuertest im Mai ein Hauptsauerstoffventil eine New Glenn zerlegt hat. Im neuen Video nehmen wir die Technik auseinander, rechnen die Flugbilanz nach und stellen das BE-4 gegen Raptor 3, RD-180 und Merlin.
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Sneak Peek: Was als Nächstes kommt
Am Mittwoch (09.09.) kommt die ganze Geschichte des Isar-Starts als Video, vom Absturz des Erstflugs bis zum Orbit. Am Sonntag (13.09.) wird es exotisch: Antimaterie als Raketenantrieb, samt der Frage, was Elon Musk und NASA-Chef Jared Isaacman dazu gepostet haben. Und am Mittwoch darauf (16.09.) geht es um Reflect Orbital, das Start-up, das die Nacht abschaffen will.
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Transparenz: Der Autor hält Aktien von SpaceX und Rocket Lab.
Per aspera ad astra
Dein Sirwan
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