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Mars Chroniken
Dein wöchentlicher Funkspruch aus dem All · Lesezeit rund 4 Minuten
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Hallo Raumfahrt-Fan,
willkommen zu deinem Mars Chroniken Newsletter. Diese Ausgabe handelt von dem, was nicht in der Pressemitteilung steht. In China zerbricht eine Rakete, und in den Kanälen des Herstellers findet der Start danach einfach nicht statt. In Brüssel geht Europas eigene Satellitenflotte in den Bau, gefeiert wird die Beschleunigung, und die Zahl, um die es wirklich geht, muss man in Madrid nachlesen. |
85 Sekunden, dann war die Rakete weg. Und danach: nichts.
Am 10. August hob um 20:02 Uhr Ortszeit eine Long March 7A vom Weltraumbahnhof Wenchang auf der Insel Hainan ab. Rund 85 Sekunden später zerbrach sie über der Südchinesischen See, die Angaben der Fachdienste schwanken zwischen 83 und knapp 90 Sekunden. Zu diesem Zeitpunkt brannte noch die erste Stufe, mit den vier Boostern zusammen. Verloren ging der Kommunikationssatellit ChinaSat-4B, der in eine geostationäre Übergangsbahn gebracht werden sollte.
Es war der zweite Verlust dieser Baureihe überhaupt. Schon der Jungfernflug im März 2020 endete in einem Fehlschlag, damals allerdings deutlich später im Flug. Für China war es der 56. Startversuch dieses Jahres, bei einem selbst gesteckten Ziel von über 100. Lange stand der Betrieb nicht still: Am 16. August brachte eine Long March 12 wieder Satelliten der staatlichen Konstellation Guowang nach oben, am 17. August folgte eine Long March 2C mit einem Erdbeobachtungssatelliten für die Vereinigten Arabischen Emirate. Sechs Tage Pause, dann Normalbetrieb.
Was fehlt, ist die Erklärung. Im Newsroom des Herstellerkonzerns China Aerospace Science and Technology Corporation, kurz CASC, klafft zwischen dem 29. Juli und dem 12. August eine Lücke, in der der 10. August schlicht nicht vorkommt. Die Erfolge vom 16. und 17. August standen dort binnen Stunden. Ein Untersuchungsergebnis gibt es bis heute nicht. Bemerkenswert ist, was an dessen Stelle tritt: Praktisch alles, was über die Ursache im Umlauf ist, stammt von einem einzigen Fachbeobachter, der den Branchendienst China in Space schreibt. Er hält nach Auswertung von Amateuraufnahmen ein ungeplantes Ablösen der dritten Stufe für wahrscheinlich, die dann in die zweite geschlagen sei. Als Auslöser nennt er einen Qualitätsmangel oder ungewöhnlich harten Wind und schreibt dazu, er wisse es nicht. Am Tag der Explosion hatte er noch die Triebwerke der ersten Stufe verdächtigt und diese Vermutung drei Tage später selbst wieder einkassiert. Unsere Einschätzung: Das ist kein Vorwurf an ihn, im Gegenteil. Es ist einer an eine Raumfahrtnation, die 2026 im Schnitt alle drei Tage startet und die Aufklärung eines Fehlschlags einem Newsletter überlässt.
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Europas Flotte kostet 5 Milliarden mehr. Nachzulesen in Madrid.
Am 6. August haben die EU-Kommission, die ESA und das Industriekonsortium SpaceRISE die Umsetzungsvereinbarung für IRIS² unterzeichnet, am Tag darauf ging die Nachricht heraus. Damit verlässt Europas eigene, abhörsichere Satellitenflotte die Planung und geht in den Bau. Sie wächst dabei von 290 auf 348 Satelliten, 330 davon in der niedrigen Erdumlaufbahn, 18 in mittlerer Höhe. Neu ist eine eigene Verteidigungsschicht aus 66 Satelliten. Die ersten Starts sind für 2029 vorgesehen.
Kommission, ESA und die EU-Raumfahrtagentur EUSPA schickten dazu am selben Tag drei Mitteilungen heraus. Verteidigungs- und Raumfahrtkommissar Andrius Kubilius wird darin mit dem Versprechen zitiert, die gesicherte Kapazität für staatliche Nutzer steige innerhalb der EU um mehr als 60 Prozent. Was in keiner dieser drei Mitteilungen steht, ist der Preis. Die Gesamtsumme von über 15,6 Milliarden Euro, aufgeteilt in 11,6 Milliarden aus öffentlichen Kassen und bis zu 4 Milliarden aus der Industrie, findet sich wörtlich in der Pressemitteilung von Hispasat, einem spanischen Partner im Konsortium. Zum Vergleich: Der Konzessionsvertrag von 2024 lag bei 10,55 Milliarden Euro. Das sind rund 50 Prozent mehr.
Überschrieben ist die Freigabe in Brüssel mit Beschleunigung und Verstärkung. Verstärkt wird tatsächlich etwas, die Militärschicht ist neu und in der aktuellen Lage nachvollziehbar. Bei der Beschleunigung rechnet das Fachportal European Spaceflight dagegen vor, dass gegenüber dem alten Zeitplan am Ende wenige Monate herauskommen. Unsere Einschätzung: Ein Programm, das Europa unabhängig machen soll, darf teurer werden, und 348 Satelliten sind mehr wert als 290. Nur sollte die Summe, die der Steuerzahler trägt, in der Mitteilung der Kommission stehen und nicht in der eines Auftragnehmers. Wer Souveränität verkauft, fängt am besten bei der eigenen Rechnung an.
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Kurz notiert
Vorwarnzeit: ein Tag. Am 12. August um 00:50 Uhr UTC zog der Asteroid 2026 PC6 in rund 20.500 Kilometern Abstand vom Erdmittelpunkt vorbei, also gut 14.000 Kilometer über der Oberfläche und damit tief unterhalb des geostationären Rings, in dem die Fernseh- und Wettersatelliten sitzen. Das sind 0,05 Monddistanzen, bei knapp 51.000 Kilometern pro Stunde. Gefährlich war er nicht, aus seiner Helligkeit lässt sich ein Durchmesser von etwa 7 bis 15 Metern ableiten. Bemerkenswert ist der Kalender: Entdeckt hat ihn das Asteroiden-Frühwarnsystem ATLAS am Teide-Observatorium auf Teneriffa, am 11. August. Also am Tag davor.
Ein toter Rover liefert nach. Chinas Marsrover Zhurong schweigt seit Jahren, seine Daten nicht. Ein Team um Jiacheng Liu von der Universität Hongkong hat in den Aufnahmen aus der Ebene Utopia Planitia dezimetergroße Kristalle als Selenit bestimmt, eine grobe Gipsvariante, die nur aus konzentrierter Salzlauge auskristallisiert. Der Boden dort ist rund 760 Millionen Jahre alt. Nach gängiger Lehrmeinung war der Mars da bereits seit über zwei Milliarden Jahren durchgefroren. Nur Vorsicht mit dem Bild vom Marssee: Die Autoren schreiben in Nature Astronomy, aufsummiert brauche es 6,25 bis 25 Meter Wasser, zu einem einzelnen Zeitpunkt aber wohl nur rund einen Meter, und der vermutlich unter einer Eisdecke.
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Unser neuestes Video: 1.200 Satelliten, Deutschlands Antwort auf Starlink
IRIS² ist die europäische Ebene. Eine Ebene darunter plant Deutschland mit Spock 2 und SatcomBW 4 bis zu 1.200 eigene Satelliten und damit die zweitgrößte Flotte der Welt. Um das rund fünf Milliarden Euro schwere Aufklärungssystem der Bundeswehr streiten drei Konsortien: Airbus mit Rohde und Schwarz, Rheinmetall mit dem finnischen Radarspezialisten ICEYE und OHB mit Helsing. Im Video sortieren wir, wer was kann und woran es hakt.
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Sneak Peek: Was als Nächstes kommt
19. August: 3D-Druck in der Raumfahrt. Warum inzwischen ganze Triebwerke aus dem Drucker kommen.
23. August: Wenn die Maschine konstruiert. Nach LEAP 71: wie künstliche Intelligenz das Ingenieurwesen umkrempelt.
26. August: Die Sonne als Linse. Ein NASA-Konzept, das aus unserem eigenen Stern ein Teleskop macht und echte Bilder von Exoplaneten liefern soll.
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Per aspera ad astra
Dein Sirwan
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