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Mars Chroniken
Dein wöchentlicher Funkspruch aus dem All · Lesezeit rund 5 Minuten
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Hallo Raumfahrt-Fan,
diese Woche geht es um Botschaften, die sehr lange auf ihren Empfänger gewartet haben. Ein Radioblitz, der losging, als das Universum gerade einmal drei Milliarden Jahre alt war, hat dank des James-Webb-Teleskops endlich einen Absender. Und Hubble-Daten, die seit 1999 im Archiv lagen, erzählen plötzlich von einem Planeten, der aus den Überresten eines Sterns entstanden sein könnte. Dazu: Crew-12 ist zurück auf der Erde, und Starship Flug 15 hat einen neuen, vorläufigen Termin. |
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Der fernste Radioblitz kommt aus einer Winzgalaxie
Schnelle Radioblitze gehören zu den rätselhaftesten Signalen am Himmel: Sie dauern nur Millisekunden, setzen dabei aber enorme Energie frei, und woher sie kommen, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Am 4. März 2024 fing das südafrikanische Radioteleskop MeerKAT einen solchen Blitz auf, der seitdem FRB 20240304B heißt. Die Galaxie, aus der er kam, war für die großen Teleskope am Boden zu lichtschwach. Erst Webb fand sie mit seiner Nahinfrarotkamera NIRCam, der Spektrograph NIRSpec maß ihre Rotverschiebung: 2,148.
Übersetzt heißt das: Der Blitz ging los, als das Universum rund drei Milliarden Jahre alt war. Damit ist er der fernste schnelle Radioblitz, dessen Heimat je bestimmt wurde, und er verdoppelt den bisherigen Rekord ungefähr. Spannender als der Rekord ist aber der Absender. Die Heimatgalaxie ist eine junge Zwerggalaxie, laut ESA etwa 1.000-mal masseärmer als erwartet, und die meisten ihrer Sterne könnten innerhalb von nur rund 30 Millionen Jahren entstanden sein. Nebenbei trägt das Signal die Spuren eines bisher unbekannten Galaxienhaufens und des Virgo-Haufens in unserer kosmischen Nachbarschaft, die es auf dem Weg zu uns durchquert hat.
Das passt schlecht zu einer der beiden großen Theorien. Bis zwei Neutronensterne miteinander verschmelzen, vergeht nach gängiger Vorstellung meist viel Zeit, in einer so jungen Galaxie hätte es dafür kaum gereicht. Erstautorin Manisha Caleb von der Universität Sydney hält eine Verschmelzung als Ursache deshalb für sehr unwahrscheinlich. Besser passt ein Magnetar, ein junger Neutronenstern mit extrem starkem Magnetfeld, wie er nach dem Tod eines massereichen Sterns zurückbleibt. Die Studie ist am 8. Oktober im Fachjournal Science erschienen. Unsere Einschätzung: Ein einzelner Blitz beweist noch keine Theorie. Aber mit Webb lassen sich diese Signale jetzt bis tief in die Jugend des Universums zurückverfolgen, und laut ESA könnte MeerKAT jedes Jahr mehrere solcher fernen Blitze finden.
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Ein Krimi aus dem Hubble-Archiv: der Planet aus der Sternenasche
1999 zerlegte Hubble das Licht des Weißen Zwergs HS 0209+0832 in seine Farben und fand rund 100 Spektrallinien, die niemand zuordnen konnte. Ein Weißer Zwerg ist der ausgebrannte Kern eines Sterns wie unserer Sonne, seine Atmosphäre sollte eigentlich wenig Überraschungen bieten. Die Daten blieben 27 Jahre lang ein ungelöster Fall. Jetzt hat Jamie Williams, Doktorand an der Universität Warwick, sie mit einer aktualisierten Datenbank neu ausgewertet. Viele der rätselhaften Linien passen zu einem Element, das bei keinem anderen untersuchten Weißen Zwerg in solchen Mengen gefunden wurde: Niob.
Niob entsteht nicht bei der gewöhnlichen Kernfusion im Inneren von Sternen, sondern nur unter den extremen Bedingungen, die kurzzeitig in sterbenden Sternen herrschen. Zerriebenes Gestein kommt als Quelle nicht in Frage, denn Silizium und Eisen, die klassischen Bausteine von Gesteinsplaneten, fehlen in der Atmosphäre fast völlig. Daten des inzwischen abgeschalteten NASA-Teleskops FUSE bestätigen das Niob, und der Planetenjäger TESS registrierte über vier Monate regelmäßige Helligkeitsschwankungen des Sterns. Die Erklärung des Teams: Ein Gasriese etwa von der Größe Jupiters kreist in rund 6 Millionen Kilometern Abstand um den Weißen Zwerg, viel näher als Merkur an der Sonne, und verliert dabei laufend Atmosphäre.
Das Besondere ist seine Herkunft. Der Planet wäre kein Überlebender aus der Jugend des Systems, sondern ein Planet der zweiten Generation, entstanden aus dem Material, das der Stern bei seinem Tod ins All geschleudert hat. Co-Autor Boris Gänsicke sagt, er sei schlicht baff gewesen. Wichtig ist das Kleingedruckte: Bestätigt ist der Planet nicht, das Team spricht selbst von einem Kandidaten, die Studie ist in Nature Astronomy erschienen. Unsere Einschätzung: eine schöne Erinnerung daran, dass Archive keine Friedhöfe sind. Manchmal fehlt einem alten Datensatz nur die richtige Frage, in diesem Fall die richtige Datenbank.
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Kurz notiert
Crew-12 ist zurück, ein paar Stunden später als angekündigt. In der letzten Ausgabe hatten wir das Ablegen für Mittwochmorgen genannt, tatsächlich löste sich die Dragon-Kapsel Freedom am Mittwoch um 14:05 Uhr unserer Zeit von der ISS. Am Donnerstag um 17:34 Uhr wasserte sie vor der Küste Kaliforniens bei Los Angeles. An Bord waren Jessica Meir, Jack Hathaway, der Kosmonaut Andrei Fedjajew und die ESA-Astronautin Sophie Adenot, nach 235 Tagen auf der Station. Für Hathaway und Adenot war es der erste Flug ins All, Adenot stieg dabei als erste Französin zu einem Außeneinsatz aus.
Starship Flug 15 rutscht in den November. Auf einer neuen Planungsfolie der US-Luftfahrtbehörde FAA steht für Flug 15 jetzt frühestens der 8. November statt des 19. Oktober, einen offiziellen Termin von SpaceX gibt es noch nicht. Elon Musk sagte am Samstag in einer Videoschalte, Flug 15 solle "hoffentlich in vier bis sechs Wochen" starten, und zwar mit einem großen Ziel: das Schiff erstmals mit dem Startturm zu fangen. Das wäre die erste vollständige Bergung einer Orbitalrakete. Den Hitzeschild von Flug 14 nannte er robust, den Triebwerksausfall auf dem Weg in den Orbit kein großes Problem.
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Neu auf dem Kanal: Raptor 3 gegen RS-25
Ein viraler Vergleich auf X sah Raptor 3 klar vorn: halb so schwer wie das RS-25 und trotzdem mehr Schub. Wir haben nachgerechnet. Die Zahlen stimmen ungefähr, fair ist der Vergleich trotzdem nicht, und zwar in beide Richtungen. Beim spezifischen Impuls gewinnt das rund 50 Jahre alte Shuttle-Triebwerk bis heute deutlich, beim Preis liegt Raptor dafür um das Fünfzig- bis Hundertfache vorn. Wer am Mittwoch nicht dabei war: Im Video davor ging es um die Frage, was wäre, wenn SpaceX den Raptor mit Wasserstoff gebaut hätte.
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Sneak Peek: Was als Nächstes kommt
Demnächst erscheint ein langes Gespräch mit dem kanadischen Politikwissenschaftler und Völkerrechtler Michael Byers über Macht, Recht und Konflikte im Weltraum. Am Sonntag (18.10.) schauen wir durch das Vera-C.-Rubin-Observatorium. Und eine Woche später (25.10.) geht es um das RD-180, das russische Triebwerk, mit dem amerikanische Raketen jahrelang ins All flogen.
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Transparenz: Der Autor hält Aktien von SpaceX und Rocket Lab.
Per aspera ad astra
Dein Sirwan
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