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Mars Chroniken
Dein wöchentlicher Funkspruch aus dem All · Lesezeit rund 4 Minuten
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Hallo %Firstname%,
willkommen zu deinem Mars Chroniken Newsletter. Diese Woche dreht sich alles um eine einzige Fähigkeit. Im Orbit gezielt an ein anderes Objekt heranfliegen, um es einzufangen oder auszusetzen. Einmal heimlich und militärisch, einmal offen und als Rettung. Willkommen in der Ära, in der im Weltraum nichts mehr einfach nur seine Bahn zieht. |
Chinas Drache setzt etwas aus, und keiner weiß, was
Am 22. Juni, um halb drei Uhr morgens Weltzeit, registrierte das Radar der privaten Überwachungsfirma LeoLabs über Neuseeland ein Objekt, das in keinem Katalog stand. Mit hoher Sicherheit stammt es vom Shenlong, dem geheimen wiederverwendbaren Raumflugzeug Chinas, dessen Name übersetzt Göttlicher Drache bedeutet. Es ist Chinas Gegenstück zum X-37B der amerikanischen Weltraumstreitkräfte und seit Februar im Orbit.
Das ist kein Einzelfall. Seit 2022 hat der Shenlong mindestens neun solcher Objekte ausgesetzt, manche funkten sogar Signale. China bestätigt nichts, die Staatsmedien sprechen nur von technologischer Erprobung für die friedliche Nutzung des Weltraums. Beobachter sehen das nüchterner. Das Raumflugzeug übt das gezielte Heranfliegen an andere Satelliten. Diese Fähigkeit kann man zum Reparieren nutzen, oder zum Inspizieren, Stören und im Ernstfall Ausschalten fremder Satelliten. Genau deshalb schaut das US-Militär sehr genau hin, das das Objekt inzwischen selbst katalogisiert hat.
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Die NASA schickt einen Roboter, um ein sterbendes Teleskop zu fangen
Das Neil-Gehrels-Swift-Teleskop jagt seit 2004 die hellsten Explosionen des Universums, die Gammastrahlenausbrüche. Doch die Sonne hat zuletzt so heftig getobt, dass sich die obere Atmosphäre aufgebläht hat und das Teleskop wie an einer Bremse nach unten zieht. Von einst rund 600 Kilometern Höhe ist es auf etwa 360 Kilometer gefallen, und es verliert jeden Monat weitere acht. Im Oktober wäre der Punkt erreicht, ab dem es nicht mehr zu retten ist.
Statt es verglühen zu lassen, schickt die NASA einen Roboter. Das Start-up Katalyst Space hat in nur rund 250 Tagen ein Rettungsschiff namens LINK gebaut, kühlschrankgroß, mit drei Greifarmen, deren Klauen an die Hände einer Lego-Figur erinnern. Es startet Ende Juni auf einer flugzeuggestützten Pegasus-Rakete über dem Pazifik, soll Swift in etwa einem Monat einfangen und in zwei weiteren Monaten auf eine sichere Bahn heben. Das pikante Detail: Swift wurde nie dafür gebaut, im All von irgendetwas gegriffen zu werden. Es ist das erste Mal, dass das jemand versucht. Gelingt es, ist es der Anfang vom Ende der Wegwerf-Satelliten, denn dann lassen sich Satelliten künftig reparieren, betanken und retten, statt sie einfach abstürzen zu lassen.
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Kurz notiert
5,9 Milliarden für die Schublade. Ein Zwischenbericht des NASA-Generalinspekteurs vom 24. Juni zeigt, dass vier inzwischen gestrichene Bauteile des Mondprogramms Artemis von ursprünglich rund 2,8 auf 5,9 Milliarden Dollar explodiert sind, bei bis zu sieben Jahren Verspätung. Darunter die gecancelte Mondstation Gateway und eine stärkere Oberstufe der Mondrakete. Gebaut, bezahlt, nie geflogen.
Chinas Sonde erreicht den Quasi-Mond. Die Raumsonde Tianwen-2 hat am 7. Juni den winzigen Begleiter-Asteroiden Kamoʻoalewa erreicht, einen sogenannten Quasi-Mond, der die Sonne im Gleichtakt mit der Erde umkreist. In den nächsten Wochen kartiert sie den nur rund 40 bis 100 Meter großen Brocken und versucht dann erstmals, Proben einzusammeln. Manche Forscher halten ihn für ein abgesprengtes Stück unseres eigenen Mondes.
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Unser neuestes Video: Made in Orbit
Medikamente, die nicht im Labor entstehen, sondern in der Schwerelosigkeit des Orbits, und die tatsächlich funktionieren. In unserem neuesten Video schauen wir uns Varda Space an, das Unternehmen, das die Fabrik kurzerhand in die Umlaufbahn verlegt und seine Produkte in kleinen Kapseln zurück zur Erde schickt.
Verpasst? Davor lief unser Stück über Hensoldt und das Ende der US-Spionage über Europa. |
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Sneak Peek: Was als Nächstes kommt
Wir sitzen schon an den nächsten Stücken. Worum es geht, bleibt noch ein gut gehütetes Geheimnis, aber so viel sei verraten: langweilig wird es nicht. Mehr im nächsten Funkspruch.
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Per aspera ad astra
Dein Sirwan
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