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Mars Chroniken
Dein wöchentlicher Funkspruch aus dem All · Lesezeit rund 4 Minuten
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Hallo Raumfahrt-Fan,
willkommen zu deinem Mars Chroniken Newsletter. Diese Woche geht es um zwei Rettungsmissionen. Ein Roboter, der ein Teleskop retten soll und sich dafür erst einmal selbst retten muss. Und zwei deutsche Raketen, die in den kommenden Wochen etwas retten können, das schwerer wiegt als jede Nutzlast: den Beweis, dass Europa den Orbit aus eigener Kraft erreicht. |
Der Retter braucht jetzt selbst Rettung
Vor fünf Wochen haben wir an dieser Stelle den Start gefeiert: Die Rettungssonde LINK flog los, um das absturzgefährdete Swift-Teleskop der NASA einzufangen und auf eine sichere Bahn zu heben, als erster Griff nach einem Satelliten, der dafür nie gebaut wurde. Seitdem ist die Geschichte gekippt. Ende Juli verlor LINK die Kontrolle über die eigene Lage und geriet ins Trudeln, mit neun Grad pro Sekunde, bei zeitweise nur noch sporadischem Funkkontakt. Zwei der drei Drallräder, die das Raumfahrzeug eigentlich stabil halten, sind ausgefallen, dazu ein Teil der Kaltgas-Düsen.
Was folgte, ist Raumfahrt in ihrer ehrlichsten Form. Weil die dafür vorgesehenen Systeme streiken, nutzt das Team um das Start-up Katalyst kurzerhand die elektrischen Triebwerke, die eigentlich fürs Manövrieren gedacht sind, um das Trudeln Brennvorgang für Brennvorgang zu bremsen. Stand dieser Woche: von neun auf knapp anderthalb Grad pro Sekunde. Die Sonde hat durchgehend Strom, der Kontakt steht, und gemeinsam mit der NASA entsteht gerade eine neue Steuerungslogik, die mit dem Rest-Inventar an funktionierender Hardware auskommt. Das Rendezvous mit Swift rutscht damit auf Ende August.
Die Uhr im Hintergrund tickt trotzdem. Swift sinkt weiter und darf für eine praktikable Rettung nicht unter rund 300 Kilometer Höhe fallen, aktuelle Prognosen sehen diese Grenze im Herbst erreicht. Katalyst-Chef Ghonhee Lee gibt sich dennoch kämpferisch: Ein Einfangversuch sei nach wie vor absolut möglich. Unsere Einschätzung, klar als Meinung markiert: Genau daran sieht man, warum Service-Missionen im Orbit die Königsklasse sind. Wer Satelliten reparieren will, muss zuerst beweisen, dass sein Werkzeugkasten den Weltraum überlebt. Scheitert LINK, war es ein 30-Millionen-Lehrstück. Gelingt es, wird daraus die vielleicht beste Rettungsgeschichte des Jahres.
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Zwei deutsche Raketen, ein Monat, eine Chance
Es könnte der größte Monat der deutschen Raumfahrt werden, oder eine weitere Lektion in Geduld. In Norwegen wartet die Spectrum von Isar Aerospace auf ihren zweiten Flug, die Startlisten führen sie für August. Und auf den Shetlandinseln ist seit diesem Montag das Startfenster für die RFA One der Rocket Factory Augsburg geöffnet, fünf Wochen lang. Es wäre der erste Orbitalstart von britischem Boden überhaupt.
Beide Anläufe tragen Narben. Spectrums Erstflug im März 2025 endete nach 30 Sekunden im Meer, seither verhinderten ein defektes Druckventil, ein Fischerboot in der Sperrzone und ein Leck im Druckbehälter jeden weiteren Versuch. Die RFA One stand bereits komplett montiert auf der Rampe, wurde nach einem Problem aber wieder zerlegt, wir berichteten. Und trotzdem lohnt der genaue Blick, denn diesmal fliegt echte Fracht mit: Spectrum trägt sechs Nutzlasten, darunter Kleinsatelliten der TU Berlin und, das freut uns besonders, den SpaceTeamSat1 des TU Wien Space Teams. Österreich sitzt bei diesem Qualifikationsflug also mit an Bord.
Warum das mehr ist als Lokalpatriotismus: Die European Launcher Challenge der ESA verlangt von ihren Kandidaten bis 2027 einen erfolgreichen Orbitalstart. Wer ihn zuerst schafft, definiert die Hackordnung einer Branche, die Europa gerade erst aufbaut. Es geht in diesem August nicht um Tonnen im Orbit. Es geht um den Beweis, dass der Kontinent mehr kann als Ariane.
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Kurz notiert
New Glenn: Die Ursache ist gefunden. Zweieinhalb Monate nach der Explosion auf der Startrampe hat Blue-Origin-Chef Dave Limp am 5. August erstmals die Ursache benannt: das Hauptsauerstoffventil an einem der sieben BE-4-Triebwerke, bestätigt durch geborgene Trümmer. Das Ventil wird leicht modifiziert und lässt sich in bestehende Triebwerke nachrüsten, die neue Hardware soll Ende August fertig sein, der Wiederflug noch dieses Jahr folgen. Pikantes Detail: Auch die Vulcan-Rakete von United Launch Alliance fliegt mit jeweils zwei BE-4.
Jessica Meir sammelt Überstunden im Vakuum. Kaum sechs Wochen nach der Roboterarm-Operation stieg die Astronautin am 6. August schon wieder aus, diesmal mit Anil Menon. In sechs Stunden und 27 Minuten bereiteten die beiden einen Stromkanal der Station für ein neues Solarpanel vor. Es war der zweite von drei Außeneinsätzen, die im August anstehen, ehe im Monatsverlauf noch eine Funkantenne getauscht wird.
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Unser neuestes Video: Das wahre Ziel hinter Starship
Warum baut SpaceX die größte Rakete der Geschichte wirklich, und was hat der Börsengang damit zu tun? In unserem neuesten Video verfolgen wir die Spur vom Starship über Starlink bis zu der Frage, welches Geschäftsmodell hinter alldem eigentlich steckt.
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Sneak Peek: Was als Nächstes kommt
12. August: Mynaric. Eine deutsche Firma, die im Netz der US Space Force eine erstaunlich große Rolle spielt.
Und danach geht es Schlag auf Schlag weiter. Wenn du diese Ausgabe gelesen hast, ahnst du vielleicht schon, welches Land dabei im Mittelpunkt steht.
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Transparenz: Der Autor hält Aktien von SpaceX und Rocket Lab.
Per aspera ad astra
Dein Sirwan
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