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Mars Chroniken
Dein wöchentlicher Funkspruch aus dem All · Lesezeit rund 4 Minuten
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Hallo Raumfahrt-Fan,
willkommen zu deinem Mars Chroniken Newsletter. Diese Woche liefert die Wissenschaft einen Fund, auf den Astronomen jahrzehntelang gewartet haben. Und in derselben Woche legt der US-Rechnungshof offen, in welchem Zustand die Behörde ist, die solche Funde eigentlich finanzieren soll. Zwei Meldungen, die zusammen eine unangenehme Frage stellen: Wer bezahlt eigentlich noch das Staunen? |
Ein Felsplanet, der seit drei Milliarden Jahren Luft hält
Zum ersten Mal überhaupt haben Astronomen eine Atmosphäre auf einem Gesteinsplaneten in der habitablen Zone eines fremden Sterns nachgewiesen. Der Planet heißt LHS 1140 b, ist rund 48 Lichtjahre entfernt und kreist genau in jenem Abstand um seinen Stern, in dem Wasser flüssig bleiben könnte. Die Studie erschien am 16. Juli im Fachblatt Science, Erstautor ist Collin Cherubim von der Harvard-Universität.
Nachgewiesen wurde Helium, das aus der oberen Atmosphäre ins All entweicht. Und jetzt kommt der Teil, der uns besonders gefällt: Gemessen wurde das nicht mit einem Weltraumteleskop für Milliarden, sondern vom Boden aus, mit dem Magellan-Observatorium in Chile und einem Spektrografen namens WINERED. Die Daten stammen aus einem einzigen Transit im Jahr 2024, also aus jenen Stunden, in denen der Planet vor seinem Stern vorbeizog.
Die eigentliche Sensation steckt im Alter. Rote Zwergsterne wie LHS 1140 sind in ihrer Jugend brutal, sie fegen mit Strahlungsausbrüchen die Lufthüllen ihrer Planeten oft einfach weg. Genau das galt lange als das große Argument gegen Leben in solchen Systemen. Dieser Planet aber hält seine Atmosphäre den Forschern zufolge seit mehr als drei Milliarden Jahren. Damit ist eine Frage beantwortet, die länger offen war als die halbe Geschichte der Exoplanetenforschung: Ja, es geht.
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Die NASA hat jeden fünften Mitarbeiter verloren
Am 23. Juli hat der US-Rechnungshof GAO seinen jährlichen Bericht zu den NASA-Großprojekten vorgelegt, und die Zahlen darin sind bemerkenswert nüchtern formuliert für das, was sie beschreiben. Die NASA hat im Jahr 2025 rund 4.000 zivile Beschäftigte verloren, knapp 22 Prozent der Belegschaft. 25 der 36 untersuchten Großprojekte melden bereits konkrete Auswirkungen dieses Aderlasses. Nicht geplante Auswirkungen. Bereits eingetretene.
Die zweite Hälfte des Berichts ist die vertraute: Die kumulierten Kostenüberschreitungen des Projektportfolios stiegen auf knapp 4,7 Milliarden US-Dollar, die aufgelaufenen Verzögerungen auf 14 Jahre. Ein einziges Programm trägt daran den Löwenanteil, nämlich die Orion-Kapsel mit fast 75 Prozent der kumulierten Überschreitungen. Dieselbe Kapsel, die im April die Artemis-II-Crew erfolgreich um den Mond und zurück gebracht hat. Teuer und trotzdem geliefert, beides stimmt gleichzeitig.
Der Haushaltsentwurf des Weißen Hauses für 2027 würde noch einmal deutlich nachlegen: rund 23 Prozent weniger für die NASA insgesamt, und beim Wissenschaftsbudget eine Kürzung von 7,25 auf 3,89 Milliarden US-Dollar. Die Planetary Society hat durchgezählt und kommt auf 53 Missionen, denen damit das Aus droht, fast die Hälfte der wissenschaftlichen Flotte. Der Kongress hat einen fast wortgleichen Vorschlag im Vorjahr bereits abgelehnt, entschieden ist hier also gar nichts.
Zur Einordnung noch eine Zahl aus derselben Hauptstadt. Für die US Space Force sieht derselbe Entwurf rund 71 Milliarden US-Dollar vor, ein Plus von etwa 80 Prozent gegenüber dem laufenden Jahr. Allein der Beschaffungsposten wächst von 3,6 auf 19 Milliarden. Unsere Einschätzung dazu: Das Geld verschwindet nicht aus der Raumfahrt, es wechselt das Ressort. Wer wissen will, was in den nächsten zehn Jahren im Orbit passiert, sollte weniger auf Pressekonferenzen schauen und mehr auf Haushaltstabellen.
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Kurz notiert
Wo das Geld ankommt. Vor zwei Wochen ging es hier um Rocket Lab und den Kauf von Iridium. Am 27. Juli meldete dieselbe Firma den größten Startvertrag ihrer Geschichte: 266 Millionen US-Dollar von der US Space Force für zwölf suborbitale Testflüge, mit Option auf sechs weitere. Geflogen wird größtenteils vom Startplatz Kodiak in Alaska, es geht um Tests für die Raketenabwehr. Der erste Start ist frühestens Ende 2026 vorgesehen.
Deutschlands Rakete wird wieder auseinandergebaut. Die RFA One der Rocket Factory Augsburg stand erstmals komplett montiert auf dem Startplatz SaxaVord auf den Shetlandinseln. Nach einer erfolgreichen Woche mit Drucktests trat ein Problem auf, das die Firma bislang nicht näher benennt. Die Konsequenz: Die Rakete wird wieder zerlegt. Das genehmigte Startfenster beginnt am 10. August und läuft fünf Wochen. Ob es zu halten ist, sagt niemand. Es wäre der erste Orbitalstart von britischem Boden überhaupt.
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Unser neuestes Video: Der Mond wird nuklear
Auf dem Mond dauert eine einzige Nacht 14 Tage, mit Temperaturen bis minus 130 Grad, in den Kratern am Südpol sogar bis minus 250 Grad. Wer dort bleiben will, braucht ein Kraftwerk, das ohne Sonne auskommt, also einen Kernreaktor. Die USA und China arbeiten genau daran, und der Zeitplan ist erstaunlich sportlich. Passend zu dieser Ausgabe geht es auch hier am Ende um die Frage, wer bezahlt und wer zusieht.
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Sneak Peek: Was als Nächstes kommt
2. August: Flug 13, die Analyse. Was der dreizehnte Starship-Testflug wirklich gebracht hat, und was der harte Aufschlag des Boosters für den weiteren Zeitplan bedeutet.
5. August: Die ganze Starship-Geschichte. Vom ersten Hüpfer bis zur ersten echten Nutzlast, die komplette Entwicklung des Programms in einem Stück.
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Per aspera ad astra
Dein Sirwan
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