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Mars Chroniken
Sonderausgabe · Funkspruch aus dem All · Lesezeit rund 4 Minuten
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Hallo Raumfahrt-Fan,
der reguläre Funkspruch ist erst drei Tage her, trotzdem liegt hier eine Sonderausgabe in deinem Postfach. Der 19. August hat zwei Meldungen geliefert, die nicht bis zum Wochenende warten sollten, und beide handeln vom selben Thema: von der Rückkehr. Eine Maschine kam zurück, weil sie es sollte, und stand danach aufrecht in der Wüste von Gansu. Eine andere wird zurückkommen, weil sie muss, und von ihr wird nichts übrig bleiben. |
Sechs Minuten nach dem Start stand die Rakete wieder
Am 19. August um 07:35 Uhr Ortszeit, bei uns war es halb zwei in der Nacht, hob im Dongfeng-Areal am Kosmodrom Jiuquan eine Zhuque-3 ab. 137 Sekunden später trennten sich die Stufen. Die obere brachte den Satelliten Honghu-03 in seine Bahn, die untere drehte um, bremste sich durch die Atmosphäre und zündete ein letztes Mal: erst fünf Triebwerke, dann drei, am Ende eines. Um 07:41 Uhr stand sie auf ihren ausgeklappten Beinen auf dem Landeplatz im Kreis Minqin in der Provinz Gansu. Vom Abheben bis zum Stillstand vergingen keine sechs Minuten. Chefkommandant Dai Zheng verglich das Manöver hinterher mit einem Einparken bei hohem Tempo, das im ersten Anlauf sitzt.
Es ist Chinas erste Landung einer Orbitalstufe auf Beinen und die erste an Land überhaupt. Weltweit ist die Firma LandSpace damit nach SpaceX und Blue Origin die dritte, die eine Orbitalrakete mit eigenem Antrieb zurückholt. Die Zhuque-3 ist 66 Meter hoch, 4,5 Meter dick und besteht wie das Starship aus Edelstahl. Neun Triebwerke vom Typ TQ-12A verbrennen Methan und Sauerstoff, zusammen leisten sie rund 7.200 Kilonewton, das sind etwa 730 Tonnen Schubkraft, und sie lassen sich zwischen 40 und 110 Prozent ihrer Nennleistung regeln. Genau diese Regelbarkeit ist der Grund, warum die Landung technisch überhaupt möglich ist. In die niedrige Erdumlaufbahn bringt die Rakete 11,8 Tonnen, wenn man die Stufe wegwirft, und 8 Tonnen, wenn man sie zurückhaben will.
Der Erstflug am 3. Dezember 2025 erreichte den Orbit, die Landung ging knapp daneben. Im Juli schrieben wir an dieser Stelle über die Long March 10B, die ihren Booster im gespannten Netz eines Schiffes auffing. China hat damit binnen weniger Wochen zwei völlig verschiedene Bergungswege vorgeführt, Netz auf See und Beine an Land, und ist die einzige Nation, die beides beherrscht. LandSpace nennt es selbst den Übergang von der Erprobung der Bergung zur Erprobung der Wiederverwendung: Die gelandete Stufe soll erneut fliegen. Unsere Einschätzung: Eine Landung ist noch keine Kadenz. In derselben Woche hat SpaceX seine 100. Mission dieses Jahres geflogen, gut zwei Monate früher im Kalender als 2024. Der Abstand schrumpft, aber gemessen wird er am Ende nicht in Landungen, sondern in Flügen pro Woche.
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Das Teleskop kommt auch zurück. Nur will das niemand.
Am selben Tag zogen die NASA und die Firma Katalyst Space einen Schlussstrich. Der Rettungsroboter LINK wird das Weltraumteleskop Swift nicht einfangen und nicht auf eine höhere Bahn schieben, Grund sind anhaltende Probleme mit der Lageregelung. Damit ist entschieden, was wir seit Juni begleiten: Swift wird noch in diesem Jahr in der Atmosphäre verglühen.
Bitter ist der Ablauf, weil er beinahe funktioniert hätte. LINK startete am 3. Juli an einer Pegasus XL, die Northrop Grummans Trägerflugzeug Stargazer über dem Pazifik ausklinkte. Schon in der Inbetriebnahme fielen zwei der drei Drallräder aus, dazu ein Teil des Kaltgassystems. Am 28. Juli taumelte die Sonde seit 72 Stunden um mehrere Achsen, mit neun Grad pro Sekunde. Das Team drückte die Drehung binnen zwei Tagen auf rund vier Grad, am 5. August auf 1,47 Grad, am 11. August lud es eine neue Regelungssoftware hoch. Acht Tage später stand fest: Für ein Rendezvous reicht das noch, für das Greifen und Anheben eines Teleskops nicht mehr.
Swift startete am 20. November 2004, ausgelegt war es auf zwei Jahre, geworden sind es 21. Es ist der schnellste Gammablitz-Jäger der Astronomie: Es dreht sich binnen Minuten auf eine kosmische Explosion und alarmiert den Rest der Welt. Seit Februar hat die NASA die meisten Beobachtungen ausgesetzt, um den Luftwiderstand zu senken, denn die hohe Sonnenaktivität zieht die Bahn schneller nach unten als vorgesehen. Auf 600 Kilometer hätte LINK das Teleskop bringen sollen, dafür bekam Katalyst 30 Millionen US-Dollar, vergeben im September 2025, vom Vertrag bis zum Start weniger als ein Jahr. NASA-Chef Jared Isaacman sagte, das sei nicht das Ergebnis, auf das man hingearbeitet habe, es ändere aber nichts daran, warum der Versuch richtig gewesen sei. LINK soll Swift trotzdem anfliegen und die Annäherung als Technikdemonstration üben. Unsere Einschätzung: Das ist keine Ausrede, sondern das Vernünftigste, was jetzt noch geht, denn wer künftig Satelliten im Orbit reparieren will, braucht genau diese Daten. Der unangenehme Satz bleibt trotzdem stehen: Ein funktionierendes Teleskop verglüht, weil vor 22 Jahren niemand daran gedacht hat, ihm einen Griff anzubauen.
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Kurz notiert
Sechseinhalb Stunden für die halbe Arbeit. Am 18. August stieg Sophie Adenot als erste Französin aus der ISS aus, gemeinsam mit dem Amerikaner Anil Menon. Die beiden bauten die alte Antenne für die Funkstrecke nach Houston ab, für den Einbau der neuen reichte die Zeit nicht mehr. Das holt der nächste Ausstieg nach, geplant für den 25. August. Nach Samantha Cristoforetti ist Adenot erst die zweite Europäerin, die außen an der Station gearbeitet hat.
Der spannendste Moment fällt hinter den Horizont. In den frühen Morgenstunden des 28. August schiebt sich der Mond zu 93 Prozent in den Kernschatten der Erde, das ist fast eine totale Finsternis. Der Eintritt beginnt um 04:33 Uhr MESZ, das Maximum liegt um 06:13 Uhr. Nur geht der Mond in Deutschland um genau diese Zeit unter, im Osten sogar davor. Wer etwas sehen will, braucht freie Sicht zum Südwesthorizont, ein Fernglas gegen die Dämmerung und im Westen der Republik eine gute halbe Stunde mehr Glück als im Osten.
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Passend dazu: Warum die Triebwerke aus dem Drucker kommen
Edelstahl und Methan erklären nur die halbe Zhuque-3. Die andere Hälfte steht in den Werkshallen: Brennkammern und Düsen, die niemand mehr aus Dutzenden Teilen zusammenschweißt, sondern Schicht für Schicht druckt. Unser neues Video zeigt, warum die additive Fertigung den Raketenbau in den letzten Jahren stiller und gründlicher umgekrempelt hat als jede Landung.
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Sneak Peek: Was als Nächstes kommt
Am 23. August geht es um künstliche Intelligenz im Ingenieurwesen und um die Frage, was nach LEAP 71 kommt. Am 26. August schauen wir auf ein NASA-Konzept, das die Sonne selbst als Linse benutzt und uns eines Tages echte Bilder von Exoplaneten liefern soll, ein tröstlicher Gegenentwurf zu dieser Ausgabe. Und am 30. August treten Falcon 9, New Glenn, Starship, Long March 10B und Zhuque-3 im direkten Vergleich gegeneinander an. Nach heute weißt du, warum das keine akademische Übung ist.
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Per aspera ad astra
Dein Sirwan
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