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Mars Chroniken
Dein wöchentlicher Funkspruch aus dem All · Lesezeit rund 4 Minuten
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Hallo Raumfahrt-Fan,
diese Woche hat die Menschheit zwei neue Augen bekommen. Eines blickt ab sofort von oben auf unsere Gewitter, das andere von uns weg, in die dunkelste Ecke des Universums. Beide Starts waren Premieren, und beide haben eine Vorgeschichte, die in keiner Jubelmeldung steht. |
Der Spiegel, der spionieren sollte, jagt jetzt dunkle Energie
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| Sonntagmorgen am Kennedy Space Center: Die Falcon Heavy steigt mit dem Roman-Teleskop über die Baumwipfel des Naturschutzgebiets. Bild: NASA/Joel Kowsky |
Der Hauptspiegel des wichtigsten neuen NASA-Teleskops wurde nie für die Astronomie gebaut. Das National Reconnaissance Office, Amerikas Behörde für Spionagesatelliten, ließ ihn für ein geheimes Programm fertigen, strich das Programm und schenkte der NASA gleich zwei dieser fertigen Spiegel. Am Sonntag um 13:26 Uhr unserer Zeit ist einer davon auf einer Falcon Heavy vom Kennedy Space Center gestartet, verbaut im Nancy-Grace-Roman-Teleskop, einer Mission für 4,3 Milliarden US-Dollar.
Der Spiegel ist mit 2,4 Metern exakt so groß wie der von Hubble, aber anders geschliffen: Roman sieht bei gleicher Schärfe ein rund 100-mal größeres Himmelsfeld und durchmustert den Himmel damit 1.000-mal schneller. Die 300-Megapixel-Infrarotkamera soll täglich 1,4 Terabyte Daten liefern, mehr als jede NASA-Astrophysikmission zuvor. Die Ziele: die Natur der dunklen Energie, die Vermessung von mehr als einer Milliarde Galaxien, und über den Mikrolinsen-Effekt rund 100.000 neue Exoplaneten binnen 18 Monaten. Zum Vergleich: Aktuell kennen wir etwa 6.200.
Drei Monate braucht Roman jetzt bis zum Lagrange-Punkt 2, rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, erste Bilder werden für Anfang 2027 erwartet. Bemerkenswert ist der Kontext: Dreimal stand dieses Teleskop in Budgetentwürfen des Weißen Hauses vor der Streichung, und vor vier Wochen schrieben wir hier über den geplanten Kahlschlag im NASA-Wissenschaftsetat. Ausgerechnet jetzt liefert die Behörde ihr Flaggschiff ab, neun Monate vor dem offiziell zugesagten Termin und im Kostenrahmen. Unsere Einschätzung: Ein besseres Argument gegen die eigene Kürzung kann eine Wissenschaftsabteilung kaum vorlegen.
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Neun Flüge bis zur Königsdisziplin
Ariane 6 musste neunmal starten, bevor sie zum ersten Mal das tun durfte, wofür Europas Raketen einst berühmt waren: einen Satelliten auf den Weg in den geostationären Orbit bringen. Am Donnerstag um 22:11 Uhr unserer Zeit hob eine Ariane 62 in Kourou mit dem Wettersatelliten MTG-I2 ab und setzte ihn 36 Minuten später präzise im geostationären Transferorbit aus. Drei Jahrzehnte lang war genau diese Bahn das Brot-und-Butter-Geschäft von Ariane 4 und Ariane 5, für die Ariane 6 war es eine Premiere.
Der Passagier hat es in sich. MTG-I2, gebaut von Thales Alenia Space zusammen mit OHB aus Bremen und Leonardo aus Italien, liefert künftig alle 2,5 Minuten ein frisches Bild von Europa, doppelt so schnell wie der bisherige Dienst von Meteosat-11. Dazu kommt ein Blitz-Detektor, der Gewitter kontinuierlich aus 36.000 Kilometern Höhe verfolgt, ein Gewinn für Unwetter-Frühwarnung und Luftfahrt. Mit MTG-I2 ist das erste Trio der dritten Meteosat-Generation komplett, Europas Wettervorhersage bekommt damit das schärfste Auge ihrer Geschichte.
Die Pointe steckt in der Startgeschichte dieses Trios: Der erste Bildgeber flog 2022 noch auf einer Ariane 5, den Atmosphären-Sounder musste Europa 2025 mangels eigener Rakete bei SpaceX auf eine Falcon 9 buchen. Erst der dritte Satellit fliegt auf der Rakete, die für solche Fracht gebaut wurde. Vergangene Woche schrieben wir an dieser Stelle, dass der Ausbau der Ariane 6 vorerst gestrichen ist. Diese Woche zeigt sie immerhin, dass die Basisversion liefert, im vierten Flug dieses Jahres. Unsere Einschätzung: Für Europas Unabhängigkeit im Orbit zählt das gerade mehr als jede Ausbaustufe auf dem Papier.
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Kurz notiert
Vier Medaillen und eine Akademie. Am Freitag erhielt die Artemis-II-Crew um Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen für ihre Mondumrundung im April die Congressional Space Medal of Honor, die höchste Raumfahrt-Auszeichnung der USA und die erste seit 2023. Bei derselben Zeremonie unterzeichnete US-Präsident Trump ein Dekret zur Gründung einer US Space Academy nach dem Vorbild von West Point, die Planungskommission leitet NASA-Chef Jared Isaacman.
Deutschlands zweiter Griff nach dem Orbit steht bevor. Isar Aerospace hat beide Stufen seiner zweiten Spectrum-Rakete im Static Fire getestet, der Qualifikationsflug mit fünf Kleinsatelliten, unter anderem der TU Berlin und des TU Wien Space Teams, wartet im norwegischen Andøya jetzt nur noch auf ein Startfenster. Aus dem deutschen Doppelstart, den wir Anfang August ankündigten, wurde zwar nichts, aber der wichtigere der beiden Anläufe ist zum Greifen nah.
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Neu auf dem Kanal: Die 100-Milliarden-Wette von SpaceX
Während die NASA liefert, plant SpaceX bereits das nächste Jahrzehnt: einen komplett neuen Starship-Raumhafen in Louisiana mit fünf Startkomplexen, eigenem Hafen und eigenem Flughafen, für mindestens 100 Milliarden US-Dollar, an einer Küste, die buchstäblich im Golf versinkt. In unserem neuen Video rechnen wir die Zahlen nach und schauen auf die Terafab, das geplante größte Gebäude der Welt. Ehrliche Einschätzung inklusive.
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Sneak Peek: Was als Nächstes kommt
Am Mittwoch (02.09.) kommt der große Raketenvergleich: Falcon 9, New Glenn, Starship, Long March 10B und Zhuque-3 im direkten Duell. Am Sonntag (06.09.) nehmen wir das BE-4-Triebwerk auseinander, das gleich zwei amerikanischen Raketen Beine macht. Und am 09.09. wird es exotisch: Antimaterie als Raketenantrieb.
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Per aspera ad astra
Dein Sirwan
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