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Mars Chroniken
Dein wöchentlicher Funkspruch aus dem All · Lesezeit rund 5 Minuten
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Hallo Raumfahrt-Fan,
willkommen zu deinem Mars Chroniken Newsletter. Jahrelang galt das Erfolgsrezept von SpaceX als unkopierbar: eigene Raketen, die wiederkommen, plus eine eigene Satellitenflotte, die Geld verdient. Diese Woche haben gleich zwei Akteure genau dieses Playbook nachgespielt, einer mit einem Netz, einer mit dem Scheckbuch. Und das Original? Legt diese Woche einfach nach. |
China fängt seine Rakete. Mit einem Netz.
Am Freitag ist auf der Insel Hainan die neue Long March 10B zu ihrem Jungfernflug gestartet. Rund sechs Minuten später passierte das eigentlich Historische: Die erste Stufe kehrte um, bremste ab und ließ sich vor der Küste von einem Spezialschiff auffangen, in einem gespannten Netz aus Seilen. Die Rakete hat dafür nicht einmal Landebeine, sondern nur vier leichte Fanghaken. Es war die weltweit erste Netz-Bergung einer Orbitalrakete, Chinas erste geglückte Booster-Bergung überhaupt, und sie gelang im allerersten Versuch. Zur Einordnung: Nicht einmal SpaceX hat das beim ersten Anlauf geschafft.
Die Long March 10B ist 63 Meter hoch, hebt mit rund 8.700 Kilonewton Schub ab, das sind etwa 890 Tonnen, und bringt wiederverwendbar bis zu 16 Tonnen in die niedrige Erdumlaufbahn. Sieben Kerosin-Sauerstoff-Triebwerke treiben die erste Stufe an, die zweite verbrennt Methan. Damit sitzt sie in derselben Leistungsklasse wie die Falcon 9, und sie stammt aus einer brisanten Familie: Sie ist der Fracht-Ableger der Long March 10, jener Rakete, mit der China bis 2030 Menschen auf den Mond bringen will.
Der geborgene Booster soll noch in diesem Jahr erneut fliegen. Vor vier Wochen schrieben wir an dieser Stelle über Chinas heimlich gestartete Long March 12B, deren Bergungstest noch ausstand. Er ist nicht nur nachgeholt, er wurde übersprungen. China ist jetzt neben den USA die einzige Nation, die Orbitalraketen wiederverwendet. Der technologische Abstand, der SpaceX so lange geschützt hat, schrumpft schneller als gedacht.
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Rocket Labs Abkürzung: kaufen statt bauen
Den zweiten Weg zum SpaceX-Modell geht Rocket Lab, und zwar mit dem Scheckbuch. Der Raketenbauer übernimmt den Satellitenfunk-Pionier Iridium für rund 8 Milliarden US-Dollar, je zur Hälfte in bar und in Aktien. Mit einem Schlag bekommt Rocket Lab eine funktionierende Konstellation aus 66 Satelliten samt Reserven, weltweit lizenziertes Funkspektrum und mehr als 2,5 Millionen zahlende Kunden aus Regierung, Militär, Luft- und Seefahrt.
Firmenchef Peter Beck nannte den Deal ungewohnt offen eine Abkürzung. Wer eine Satelliten-Flotte samt Kundschaft selbst aufbauen will, braucht Frequenzen, Jahre Vorlaufzeit und Milliarden, bevor der erste Euro zurückfließt. Iridium liefert all das fertig, inklusive Navigations-Diensten für den Fall, dass GPS gestört oder abgeschaltet wird, ein Geschäft, das im aktuellen geopolitischen Klima rasant wächst.
Der Deal ist Teil einer größeren Welle. Amazon schluckte im April Globalstar für rund 11 Milliarden, SES übernahm zuvor Intelsat, und seit dem SpaceX-Börsengang schwimmt die Branche in Anlegergeld. Die Botschaft hinter all dem ist dieselbe: Wer im Orbit künftig mitspielen will, braucht beides, Raketen und eine eigene Flotte. Abgeschlossen werden soll die Übernahme Mitte 2027, sofern Aktionäre und Behörden zustimmen.
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Und das Original? Startet Starship Flug 13.
Während die Konkurrenz kopiert, legt SpaceX nach. Frühestens in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, um 0:45 Uhr unserer Zeit, öffnet sich das Startfenster für Starship Flug 13, den zweiten Flug der neuen V3-Generation mit Booster 20 und Ship 40. Die Generalprobe ist bestanden: Am Freitag zündete der Booster alle 33 Raptor-3-Triebwerke über die volle geplante Dauer, ausgerechnet am selben Tag, an dem China seinen Booster aus dem Netz fischte.
Flug 13 muss vor allem eine Scharte auswetzen. Beim letzten Flug im Mai schlug der Booster mit rund 1.450 Kilometern pro Stunde im Golf von Mexiko ein, nachdem ein Triebwerk versagt und beim Landemanöver nur ein einziges gezündet hatte. Die US-Luftfahrtbehörde FAA stufte das als Zwischenfall ein, und der Starttermin hängt daran, dass sie die Untersuchung rechtzeitig abschließt.
Das eigentlich Neue ist die Fracht: Erstmals fliegen 20 echte, funktionsfähige Starlink-Satelliten der neuen V3-Generation mit, keine Attrappen. Sie sollen im Flug ihre Solarpaneele und Antennen entfalten und kurz Kontakt zu einer Bodenstation in Südafrika aufnehmen, bevor sie planmäßig wieder verglvergühenuuml;hen, denn die Bahn bleibt bewusst knapp unterhalb eines vollen Orbits. Glückt der Flug, könnte schon der nächste der erste echte Orbitalflug werden. Alle Details, die Flugphasen und worauf du beim Zuschauen achten solltest, findest du in unserem Briefing-Video:
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Kurz notiert
Abschied einer Legende. Am 1. Juli ist in Cape Canaveral zum letzten Mal eine Atlas V in ihrer stärksten Ausbaustufe gestartet, der Version 551 mit fünf Feststoffboostern. An Bord: Satelliten für Amazons Leo-Konstellation. Ausgerechnet die Rakete, die einst das Arbeitstier der US-Regierung war, verabschiedet sich also im Dienst des Starlink-Konkurrenten.
Ein Komet für laue Sommernächte. Morgen ist Neumond, und damit beginnen die dunkelsten Nächte des Monats. Wer ein Fernglas oder kleines Teleskop hat, kann derzeit den Kometen 10P/Tempel 2 aufspüren, einen wiederkehrenden Besucher, der gerade auf seine Sonnennähe Anfang August zusteuert. Zu sehen als verwaschener, grauer Lichtfleck am Abendhimmel, am besten fernab der Stadtlichter.
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Sneak Peek: Was als Nächstes kommt
Nach dem Start folgt wie gewohnt unsere ausführliche Flug-13-Analyse auf dem Kanal. Und darüber hinaus sind weitere Stücke in Produktion, eines davon greift ein Thema auf, das in dieser Ausgabe steckt. Mehr im nächsten Funkspruch.
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Per aspera ad astra
Dein Sirwan
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