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Mars Chroniken
Dein wöchentlicher Funkspruch aus dem All · Lesezeit rund 5 Minuten
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Hallo Raumfahrt-Fan,
nach zwei Ausgaben voller Starship geht es diesmal um zwei Baustellen im All, eine von Menschen gemacht, eine von der Natur. Google hat am Donnerstag seinen ersten Satelliten mit KI-Chips in den Orbit gebracht und will herausfinden, ob dort eines Tages Rechenzentren stehen können. Und das James-Webb-Teleskop hat in 21 fremden Sonnensystemen nachgesehen, wie Gesteinsplaneten entstehen: durch Zusammenstöße, wie jenen, dem wir nach gängiger Theorie unseren Mond verdanken. Dazu das Ende einer Rettung, die wir hier seit Juni begleitet haben, und ein Schichtwechsel auf der ISS, der eine Europäerin nach Hause bringt. |
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Ein Server im Orbit: Google testet das Rechenzentrum im All
Im Juni war Googles Projekt Suncatcher in unserem Video zum SpaceX-Börsengang noch eine Ankündigung, seit Donnerstag kreist der erste Prototyp um die Erde. Am 1. Oktober um 20:32 Uhr unserer Zeit brachte eine Falcon 9 bei der Sammelmission Transporter-18 von Vandenberg in Kalifornien 130 Nutzlasten in eine sonnensynchrone Umlaufbahn, darunter Googles Satelliten. Gebaut hat den Satelliten das Erdbeobachtungs-Unternehmen Planet, an Bord sind vier Tensor Processing Units (TPU) der Generation Trillium, also genau die KI-Chips, auf denen Google auch am Boden seine Modelle rechnen lässt. Noch am selben Tag meldete Google Kontakt: Der Satellit arbeite wie erwartet.
Die Idee dahinter: Im Orbit liefern Solarzellen laut Google bis zu achtmal mehr Strom als auf der Erde, und Strom ist der Engpass der KI-Industrie. Die Strahlung, die als größtes Risiko für empfindliche Chips im All gilt, scheint das kleinere Problem zu sein. Im Labor überstanden die Chips nach Googles Angaben mehr Strahlung, als sie in fünf Jahren im Orbit abbekommen würden. Das eigentliche Problem ist die Wärme, denn im Vakuum gibt es keine Luft, die sie abtransportiert. Laut dem Branchendienst Payload zieht der Prototyp rund ein Kilowatt Solarstrom, liefert damit etwa die Rechenleistung eines einzelnen Servers und muss alle 15 bis 20 Minuten abschalten, um nicht zu überhitzen.
Wirtschaftlich wird das Ganze erst später, wenn überhaupt. Googles eigene Studie, inzwischen im Fachjournal Joule erschienen, nennt die Bedingung, unter der es sich rechnen könnte: Ein Kilogramm in den Orbit dürfte Mitte der 2030er-Jahre nicht mehr als 200 US-Dollar kosten. Damit die Preise so weit fallen, müsste Starship nach dieser Rechnung rund 180 Mal im Jahr fliegen. Als Nächstes sollen 2027 zwei Satelliten folgen, die per Laser Daten austauschen. Unsere Einschätzung: Ein Rechner, der nach 15 bis 20 Minuten Pause machen muss, ist noch kein Rechenzentrum. Aber es ist die erste echte Messung in einer Debatte, die bisher vor allem aus Präsentationsfolien bestand.
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Webb schaut zu, wie Planeten zusammenkrachen
Unser Mond ist sehr wahrscheinlich das Ergebnis eines Unfalls. Rund 100 Millionen Jahre nach der Entstehung der Sonne prallte nach der gängigen Theorie ein marsgroßer Körper namens Theia auf die junge Erde, aus den Trümmern formte sich der Mond. Solche Riesenkollisionen gelten als normaler Teil der Planetenentstehung, doch beobachten ließen sie sich bisher nur als seltene Einzelfälle. Ein Team um Kate Su vom Space Science Institute in Boulder hat jetzt 21 Sternsysteme zusammengetragen, in denen es gerade kracht.
Die Spuren heißen extreme Trümmerscheiben: ungewöhnlich viel warmer Staub nahe am Stern, ungefähr dort, wo in unserem Sonnensystem die Gesteinsplaneten kreisen. Nur etwa ein Prozent der jungen Sterne zeigt so eine Phase. Fünf der Systeme stammen aus Archivdaten des Infrarotteleskops Spitzer, 16 hat Webb im mittleren Infrarot untersucht, zwölf davon zum ersten Mal. Den Unterschied macht die Chemie des Staubs. Rund ein Drittel der Scheiben ist reich an Siliziumdioxid, das spricht für heftige Zusammenstöße marsgroßer Körper, bei denen Gestein verdampft. Die übrigen zwei Drittel sind arm daran, dort stoßen eher mondgroße Brocken mit weniger Wucht zusammen oder streifen sich nur.
Die siliziumreichen Scheiben fand das Team nur bei Sternen, die jünger als 300 Millionen Jahre sind. Das passt zu Simulationen, nach denen die Phase der großen Einschläge nach einigen hundert Millionen Jahren abklingt, also genau in dem Zeitraum, in dem auch die Erde ihren Mond bekam. "Es ist das erste Mal, dass wir genug Systeme beisammenhaben, um diese Unterklasse wirklich zu verstehen", sagt Su. Ihre Kollegin Ágnes Kóspál vom Konkoly-Observatorium in Budapest erklärt, warum der Umweg über den Staub nötig ist: Die Planetenembryos selbst sind zu klein, um sie direkt zu sehen. Unsere Einschätzung: Aus einer Handvoll Kuriositäten wird eine Statistik, und damit eine Antwort auf die Frage, wie gewöhnlich die Geschichte von Erde und Mond eigentlich ist. Die Studie ist am 1. Oktober im Astrophysical Journal erschienen.
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Kurz notiert
Die Swift-Rettung ist endgültig vorbei. Seit Juni haben wir hier begleitet, wie die Robotersonde LINK von Katalyst Space das alternde NASA-Teleskop Swift packen und höher schleppen sollte. Ein Ventil der Lageregelung, das nicht mehr reagierte, und ein defekter Schalter im Stromkreis hatten das Manöver schon im Sommer scheitern lassen, Ende September ist LINK in der Atmosphäre verglüht. Immerhin kam die Sonde bis auf 12 bis 15 Kilometer an Swift heran und hat alle drei Greifarme bewegt. Swift selbst wird laut NASA ohne Hilfe bis Jahresende in die Atmosphäre eintreten. Der Auftrag war 30 Millionen US-Dollar wert, Katalyst-Chef Ghonhee Lee nennt LINK den ersten kommerziellen Weltraumroboter, auf dem sich aufbauen lasse.
Schichtwechsel auf der ISS, diesmal in Rekordzeit. Crew-13 ist oben: Nach dem Start am 1. Oktober um 17:10 Uhr unserer Zeit dockte die Dragon-Kapsel schon um 01:05 Uhr nachts am Modul Harmony an. 7 Stunden und 55 Minuten, laut NASA so schnell wie noch kein US-Raumschiff in der Geschichte der Station. Nach knapp drei Wochen Verschiebung wegen eines Lecks im Antrieb lief damit alles nach dem Plan, den wir vor gut einer Woche angekündigt hatten. Jetzt darf Crew-12 nach Hause: Jessica Meir, Jack Hathaway, der Kosmonaut Andrei Fedjajew und die ESA-Astronautin Sophie Adenot sollen frühestens am Mittwoch um 07:05 Uhr ablegen und am Donnerstag gegen 17:25 Uhr unserer Zeit vor Kalifornien wassern. Für Adenot, die im August als erste Französin zu einem Außeneinsatz ausstieg, gehen damit knapp acht Monate im All zu Ende.
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Neu auf dem Kanal: Das Triebwerk, das im Pazifik versinkt
Unter dem Space Shuttle war das RS-25 ein Mehrwegtriebwerk: 405 Triebwerksflüge, 99,95 Prozent Zuverlässigkeit. Unter der Mondrakete Space Launch System (SLS) fliegt es genau einmal und versinkt danach im Pazifik, für rund 145 Millionen US-Dollar pro Stück. Wir zeigen, wie die gestufte Verbrennung funktioniert, warum das RS-25 gegen Raptor 3, BE-4 und Vulcain 2.1 bei der Effizienz gewinnt und beim Preis je Tonne Schub krachend verliert, und welche Politik dahintersteckt.
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Sneak Peek: Was als Nächstes kommt
Am Mittwoch (07.10.) bleiben wir bei den Triebwerken und schauen uns Hydra an, die Idee eines Raptors, der mit Wasserstoff statt Methan fliegt. Am Sonntag (11.10.) treten Raptor 3 und RS-25 direkt gegeneinander an. Und am Sonntag darauf (18.10.) schauen wir endlich durch das Vera-C.-Rubin-Observatorium.
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Transparenz: Der Autor hält Aktien von SpaceX und Rocket Lab.
Per aspera ad astra
Dein Sirwan
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